Damit ihr lesen könnt, wie die Rettung aus erster Hand verlief und warum sie am ersten Tag gezwungen waren, abzubrechen.
Geschrieben von GRS Bohinj-Mitgliedern: Wir sind überzeugt, dass ihr schon gut informiert seid über unseren anspruchsvollen Sonntag und halben Montag. In den folgenden Zeilen bekommt ihr aber den Blick durch die Augen der Bergretter, die Teil dieser Aktion waren.
Sonntagmorgen versprach der Blick aus dem Fenster einen Tag zum Faulenzen. In das entspannende Geräusch der Regentropfen schnitt bald der scharfe Ton des Pagers. Die Buchstabenansammlung darauf, die „Lawine hat drei Bergsteiger unter Tosec weggerissen“ formten, hat sicher niemand erwartet. Zu Hause mussten wir die Winterausrüstung aus dem hinteren Schrankteil holen und wirklich zur Station hetzen. Beeilung.
So viel Zeug in den Autos hatten wir lange nicht und wollten wirklich bis Konjščica durchbrechen, um etwas Weg zu sparen. Mit ein paar Umwegen in Form von Bäumen über die Straße klappte es.
In Konjščica betraten wir ein Wintermärchen, aber was, wenn wir nicht zum Genießen da waren, sondern wegen sehr ernster Dinge. Zusammen mit Kollegen aus Radovljica mussten wir uns buchstäblich durch frisch gefallenen und verhangenen Schnee durchkämpfen, der dem Führenden in nicht seltenen Momenten bis zu den „Jošk“ reichte, wie wir im Jargon sagen. Nach zweistündiger Passion kamen wir endlich ans Unglücksort, sicherten Zeugen und begannen Aktivitäten, die ca. 20 Rettern Zugang zur Rinne ermöglichten.
Die Bedingungen waren wirklich hart. Zuerst praktisch nichts zu sehen, Schnee fiel, durchnässt von Schnee und Schweiß, Wind blies genau so viel, dass vielen konkret übel wurde, Muskeln bebten, um die „Lebens“-Temperatur bei ca. 37 Grad zu halten. Alles zusätzlich „gewürzt“ durch spontane Lawinen, die die Nachmittagssonne noch zusätzlich anheizte.
Gerade als wir den ersten Verunglückten lokalisierten, lief den „Rinnenmännern“ ein Schauer in Form von Schrei LAWINE!!!. In der Rinne kann man sich nicht richtig in Sicherheit bringen, also war jeder in Sekunden so positioniert, wie er's wusste und hoffte, es geht schnell vorbei. Glücklicherweise blieben alle an Ort und Stelle und gruben weiter. Das war für uns auch Zeichen, dass es zu gefährlich wurde und wir die Aktion stoppen müssen. Am Tagende sind wir auch Männer, Söhne, Töchter, Väter und Mütter.
Den Verunglückten schnell für Heli-Transport vorbereitet, den Letzten von uns in die Tal schon in tiefer Dunkelheit gebracht.
Heute früh weiter mit Rettung. Heli brachte uns ans Rinnefuß. Basierend auf Gesehenem Vortag schlossen wir, dort höchste Wahrscheinlichkeit für verbliebene Vermisste. Unsere Vermutungen trafen zu. Bald nach Ankunft fand unser Hundefreund den Ersten, kurz darauf beim Sondieren den Zweiten. Leider konnte keinem mehr geholfen werden.
Gedanken dazu noch sammelnd, Szenen und Gefühle sehr lebendig, werden wir sie noch eine Weile wälzen. Danken unseren Kollegen von Gorska Reševalna Služba Radovljica, Gorska Reševalna Služba Jesenice und Hundeführern, die bei dieser anspruchsvollen Rettung halfen. Den Familien der Toten unser herzliches Beileid. Zum Schluss nicht ohne Rat, den wir euch schon (zu) oft gegeben haben: Überlegt, wann, warum und wie ihr in die Berge geht, nicht wegen uns, sondern wegen denen, die zu Hause warten. Viel Glück!