Vor einem Monat lief hier eine Debatte, wie Hunde nicht frei in den Hügeln herumlaufen sollten. Prinzipiell stimme ich zu, aber bei meinem letzten Aufstieg auf das Kamniško sedlo ist mir ein äußerst sympathisches Erlebnis passiert, das zeigt, dass ein Hund in den Bergen, auch wenn er losgelassen ist, nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss. Keine Sache ist nur schwarz oder weiß, sondern dazwischen gibt es viele Grautöne. Da dies eher eine Hunderubrik ist, beschreibe ich mein Erlebnis hier, wenn der Moderator aber meint, mein Geschreibsel passe besser in eine andere Rubrik, kann er meinen Kommentar auch verschieben.
So war es. Vor zwei Tagen bin ich frühmorgens, noch im Dunkeln, vom Parkplatz vor dem Dom in KB gestartet und war noch nicht weit, als ich sah, dass noch ein Auto auf jenem Parkplatz ankam. Ich ging weiter, bog in den Hang ein, stieg langsam auf und bald hörte ich hinter mir Keuchen. Ich erschrak ein bisschen und in dem Moment rannte ein dem Deutschen Schäferhund ähnlichem Hund an mir vorbei und setzte ruhig seinen Weg fort. Ich dachte, das ist halt der Hund jenes Bergsteigers, der hinter mir gekommen ist, und der Hund ist in seiner Ungeduld einfach ein bisschen vorausgegangen. So setzte ich langsam meinen Weg fort, der Vierbeiner war auch nie weit von mir. Irgendwo vor der unteren Station der Materialseilbahn auf KS holte mich der genannte Bergsteiger ein, wir wechselten ein paar Worte, und es stellte sich heraus, dass der Hund nicht seiner war. Wir gingen noch ein paar Minuten zusammen, dann eilte der Bergsteiger voraus, und der Hund war mir auch aus den Augen verschwunden. Ich dachte mir: "Aha, verkaufte Seele, gehst mit dem Ersten, der vorbeikommt." Ich ging dann eine Weile allein weiter, daraufhin gesellte sich mir plötzlich oberhalb des Weges von Jermance der Vierbeiner wieder zu. Ich gebe zu, ich freute mich darüber. Dann ging er wieder voraus, mehr oder weniger auf eigene Faust, aber nie weit von mir entfernt. Am Abzweig zum Repov kot wartete er auf mich und als er sah, wohin mein Weg führt, stieg er auch hoch. Wieder lief er größtenteils auf eigene Rechnung, mal links, mal rechts, wartete zwischendurch auf mich, bis ich die Steigeisen angelegt hatte, dann flog er wieder ein bisschen herum und wartete schließlich bei den Pastirci auf mich. Dort keuchte er schon ordentlich, dem Armen hing die Zunge aus dem Maul und ich sah, dass er durstig war. Ich bot ihm Tee an, da war das das einzige Getränk, das ich bei mir hatte, aber es interessierte ihn nicht. Er half sich aber selbst und fraß etwas Schnee. Ich gab ihm noch ein Stück Sandwich, das er genüsslich verschlang, und einen Bissen Nuss-Riegel, den er zuerst vorsichtig beschnüffelte, dann aber doch auch fraß. Die Fortsetzung des Aufstiegs verlief dann nach dem bereits gesehenen Szenario: ich hinten, Hund vorne, dazwischen kletterte er sogar auf einen größeren Felsen und schaute sich um. Langsam kamen wir endlich zur Hütte und da ich nicht gesund bin, wenn ich nicht bis zum Ende gehe, machte ich noch die paar Meter zum Rand des Sattels. Eigentlich ging ich schauen, wohin die Spuren zur Brana führen, dann spazierte ich am Rand zur Fahne und stieg dann zurück zur Hütte ab. Der Hund folgte mir die ganze Zeit treu, mehrmals musste ich ihn sogar vom Rand verscheuchen, damit er nicht versehentlich hinunterfällt. Bei der Hütte teilten wir uns dann brüderlich das Sandwich, in der Zwischenzeit tropften langsam andere Bergsteiger hoch. Den Anteil des Vierbeiners am Sandwich sättigte ihn offenbar nicht, daher bettelte er noch ein bisschen bei den anderen Bergsteigern, dann kam die Zeit für den Abstieg und irgendwie hielt ich es für meine Pflicht, auch meinen Begleiter hinunterzubringen. Der schnüffelte zwar noch bei den anderen Bergsteigern herum, reagierte aber gehorsam auf meinen Ruf und machte sich auf den Weg hinunter. Auch diesmal war er viel schneller als ich und bald verlor ich ihn aus den Augen. Ich dachte, er hat sich dem Bergsteiger angeschlossen, der kurz vor mir in die Tal abgestiegen ist, und bis KB sah ich ihn nicht mehr. Da mich ein bisschen sorgte, ob er sicher ins Tal zurückgekehrt ist, fragte ich beim ersten Haus nach dem Dom in KB, ob sie vielleicht einen Deutschen Schäferhund haben. Es stellte sich heraus, dass der Hund ihrer ist und dass er sich öfter Bergsteigern entlang des Weges anschließt, wenn sie ihn ein bisschen laufen lassen, aber sie waren sehr überrascht, als ich sagte, dass er mich bis ganz oben begleitet hat. Und dass er noch nicht zurück sei. Zu Hause gab mir die Sorge dann doch keine Ruhe, daher fragte ich sie am nächsten Tag per SMS, ob der Hund zurückgekehrt ist. Ich war sehr froh, als sie antworteten, dass er völlig OK zurückgekehrt ist, aber dann den ganzen Nachmittag gelegen hat, weil er so erledigt war. Was gar nicht verwunderlich ist, denn der Arme hat den gesamten Aufstieg und noch ein paar zusätzliche Kilometer erledigt, als er so hin und her gerannt ist.
Das beschriebene Erlebnis will keine Lehre erteilen, außer dass ein Hund ein ganz geeigneter Begleiter in den Bergen ist und, wenn gut erzogen, auch für andere Bergbesucher ungestört (sofern niemand übertriebene Angst vor Hunden hat). Es geht eher um eine ungewöhnliche und lustige Geschichte. Natürlich kann jeder Hundefreund aus meiner Beschreibung schließen, dass der Aufstieg zur Hütte auf KS eine völlig geeignete Tour für einen Vierbeiner ist.