Man weiß ja nicht, ob man beschreiben soll, was schon unzählige Male beschrieben wurde, oder nicht. Aber da Lesen heutzutage immer seltener wird, verwelkt die kulturelle Bildung der Gesellschaft leider. Und vergesst nicht, wir wichtigen Glieder dieser Gesellschaft sind auch Skitourengeher. Klar ist, dass ohne Schwenken einer in Tinte getauchten Gänsefeder auf weißem Papier nicht viel bleibt, was das Auge locken könnte, über die Pfade großer und kleiner Buchstaben, Kommas, Punkte, Semikolons, Ausrufezeichen und anderer grammatikalischer Wunder von auf Papier oder Bildschirm festgehaltenen Gedanken zu wandern. Schrift ist ja die basische Grundlage und fundamentale Säule unzähliger Wissenschaften, philosophischen Gedankens, Poetik, Poesie, Dramatik sowie alltäglicher Kommunikation ehrlicher Briefe, Telegramme, Ansichtskarten und Zeitungen, die sich mit der Verbreitung von Nachrichten aus heimischen Tälern und ausländischen Abenteuern beschäftigen. Auch die Gesetze, die uns die weise Obrigkeit vorschreibt, damit unkundige Volksmassen wissen, was richtig und falsch ist, brauchen reichlich Papier und Tinte. Ein schönes Beispiel solcher Tätigkeit bietet uns diese Tage der frische US-Präsident, der mit theatralischen Paraphrasen auf einem Scheiterhaufen von Dekreten nach seiner Weisheit nicht nur Leben und Arbeit des Volkes verbessert, das ihn eingesetzt hat, sondern die ganze Menschheit. Nach der ideologischen Orientierung des Ersten der ersten und großen Nation fürchtet man einen Dekret, dass er mit Zöllen auf Trockenware auch die heimatliche Brust seiner schönen Gattin trifft, wenn wir Skitourengeher mehr Linkskurven als Rechts machen.
Und gestern war der 8. Februar, wir wissen, Prešeren-Tag sollte dieser Tag sein, an dem man sich mit allem Leben und Sein der Kultur widmen und wenigstens einen Tag den revampierten Materialismus, Konsumwahn, Influencer-Deppismus und andere Fortschrittsirrtümer vergessen soll, wo dem Menschengeschlecht, Krone der Schöpfung, nur noch klar ist, dass nichts mehr klar ist, wohin der Fortschrittspfad führt. An diesem Tag hören wir daher aufmerksam den gelehrten Festrednern zu, die mit auserlesenen, ohrenfreundlichen und mild klingenden Worten, rhetorischen Bravuren wissen, etwas über die große Bedeutung der Kultur für den slowenischen Stamm zu sagen, der von jeher auf dieser Brust stehen und bestehen konnte. In diesem Geist bemühen wir uns an diesem Tag schön zu schauen, schön zu sprechen, festlich anzuziehen, zur Seite zu kämmen und Dinge zu tun, die wenigstens ein bisschen wie ein kulturell erleuchteter Sterblicher aussehen. Gilt auch für den Skitourengeher. An diesem Tag wollen wir wirklich nicht zu Unrecht des Grobheits beschuldigt werden. Neben freiem Besuch der Tempel der Kultur nehmen wir vielleicht ein Lesheft in die Hand, möglichst leichteren Inhalts und so dünn wie möglich, und ringen mit der Entzifferung einer Menge Buchstaben, Elemente der Satzstruktur, die der Schreiber hineinhäufte, um dem Leser zu offenbaren, was der Schreiber weiß und meint, der Leser wisse es nicht. Denn Kultur verbindet in dieser Rolle und nähert Menschen an, damit sie sich verstehen, fühlen und lieben. Haben wir kein Lesheft, auf dem Bildschirm mal statt Instagram, TikTok oder Facebook suchen wir, was drauf geschrieben steht, z.B. über Skitouren. Damit Lesen vom Bildschirm, besonders langatmig, nicht langweilig wird, sorgen beigefügte Bildchen glücklicher lachender Skifahrer, wunderbarer Alpenpanoramen und gewundener Spuren im Pulverschnee.
Leider gibt's über den heutigen Sprung auf Kopf über Šito nicht viel zu schwadronieren und auch nicht viele genannte Bildchen. Im Nebel sind wir kulturmäßig hochgestiegen und im Diffus kultursmäßig abgefahren. Trotz Bedingungen abnormal viele Besucher, Alpinkurse, kroatische Bergwacht auf Skitour und Sonntagswanderer. Anfangskehre im Kar waren vorsichtiger, nach ca. 40 Höhenmetern Abstieg herrschte harter, etwas verkrusteter Schnee, über den man diesen Winter nicht klagen kann.
Im Diffusen haben wir uns gemacht, als ob wir unermesslich genießen, Jakob, Gregor und Miha.
