Gestern hat sich an einem wunderschönen Tag eine noch schönere Tour ereignet. So früh meine ich, haben wir die Tour erst vor knapp dreißig Jahren in die Jugova-Schlucht mit dem verstorbenen Tomaž Vrhovec begonnen. Mir wurde absolute Bequemlichkeit geboten - Transport von der Haustürschwelle bis zur Rampe vor der Aljaž-Hütte, Seil im Rucksack von Janko, Jurček bietet mir sogar an, die große Wasserflasche für mich zu tragen, was ich natürlich abgelehnt habe, na, wie würde ich dann als Bergsteiger aussehen?

Ja, sogar zwei Jungs haben mir diesmal assistiert und zwar sehr angenehme und freundliche. Es tut mir nur leid, dass ich an diesem Tag irgendwie nicht das richtige Feeling und Frische hatte, sowie erwartete Körperkraft, da auch die Armkraft den ganzen Tag nicht am Platz war. Ich hoffe nur, dass die Ursache das frühe Aufstehen und das Auslassen des Frühstücks ist

Wie auch immer, von meiner gedachten Zeitlinie der Wanderung gab es nicht viel Abweichung, am meisten fürchtete ich den Rückweg vom Biwak hinunter, trotzdem hätten wir den vorletzten Bus-Transport erwischt, wenn wir darauf angewiesen gewesen wären.
Die Stirnlampen schalten wir nach einer guten halben Stunde Gehen aus, zum Biwak sind wir gar nicht abgebogen, das Fenster war geschlossen. Die erste Flasche Flüssigkeit stecke ich eine halbe Stunde vor dem Škrlatica-Schutt unter den Schnee. Beim Block darunter ruhe ich mich kurz aus. Zwei Damen steigen danach schon ab, etwas später stelle ich fest, dass sie sehr fit sind. Beim ersten Fixseil lege ich die Stöcke ab, was definitiv ein Fehler ist, da mich noch zwei steile Aufstiege erwarten, diese Dummheit von mir mildert Jurček und ich bin wieder im Sattel. Kurzer Stopp auf der Škrlatica-Schulter, dann Abstieg ins Kotel, wo ich die Klamotten wechsle und die zweite Flasche in den 'Kühlschrank' gebe. Den Wandereinstieg erwischen wir als Erste,

am Sattel zwischen den Rokavs (2520m) sind wir schon vor neun Uhr. Mit einem fast leeren Rucksack überwinde ich auch die schwierigeren Abschnitte ohne größere Probleme, die Route zeigen uns schön die Steinmänner und jedes Jahr mehr Bohrhaken, die schon von weitem schön glänzen. Auf dem Gipfel nehmen wir uns Zeit, da dieser uns nirgendwohin jagt. Zum ersten Mal, seitdem ich hier heraufgehe, ziehe ich ein Gurtzeug an, das Seil verwenden wir auf drei Seillängen, die Jungs sorgen schön dafür, dass die Ausrüstung an mir intakt ist. Die Sonne brennt stark, ich kann es kaum erwarten, in die Wand des Mittleren Rokav zu starten, wo das Klettern im Schatten auf kaltem Fels ein wahres Vergnügen ist. Leider kurz, oder süß. Ein bisschen hat mich der Abstieg vom Sattel gequält - kleine Griffe, schlechte Tritte. Leider ist die Verankerung nur im oberen Teil, der untere Teil, wo es (für mich) unbedingt nötig wäre, lässt sich wahrscheinlich wegen der Gesteinszusammensetzung nicht machen?? Unter der Wand kühle ich mich im Schnee schön ab und rutsche über den steilen Schutt zu den völlig trockenen Klamotten im Kotel. Wieder bergauf, die Jungs voller Energie 'schicke' ich noch auf den Gipfel der Škrlatica, damit sie sich nicht zu sehr langweilen

Es folgt ein langer Abstieg, zuerst zum Biwak, zwischendurch hole ich nur die auf ein paar Grad gekühlte Flüssigkeit und laaaaaaangsam Richtung Auto.
Und das Seil ist wieder zu Hause, die Unsicherheit der nächsten Tour damit nimmt von Jahr zu Jahr zu.


