| katty28. 02. 2017 19:58:15 |
Es passiert öfter, dass einem ein Gipfel im Gedächtnis haften bleibt. Und dort verbleibt. Wie ein geschriebenes Wort auf Papier, wie ein Kinderwunsch an den Nikolaus für ein Geschenk, auf das sie das ganze Jahr warten. Und so ist es bei mir bei der Auswahl von Touren. Gipfel, unbesuchte, versteckte. Sorgfältig gehütete. Und solche, verpackt wie eine spezielle Schokolade, sparen wir uns. Für den Moment, wenn Ideen ausgehen... für den, wenn der Körper "eingestellt" ist auf min.1000m Höhenmeter, mit Aufstieg, der mindestens 3h Gehens erfordert... natürlich in eine Richtung. Der Plan hat sich in den letzten Stunden geändert. Aus Italien sind wir nach Slowenien übergewechselt, aber trotzdem nahe der Grenze. Später haben wir gemerkt, dass wir genau richtig entschieden haben, da wir diesen 900m Höhenmeter übertroffen haben. Wert jede Minute, jeden Schritt, jeden Atemzug. Der Jasna-See in Kranjska Gora ruhte. Nur die oben waren schon gelblich gefärbt, so friedlich sie waren, bereit für neue Besucher. Jasna hatte sie noch nicht, es war noch früh. Nur hier und da jemand, der vorbeiraste, Richtung Vršič natürlich. Wir haben uns nicht umgedreht, sind der neuen Abenteuer entgegengelaufen. Bergwandertafeln über Pišnica leiteten uns. Zuerst entlang, dann darüber. Wir haben uns beobachtet, aufeinander aufgepasst. Bei Frühlingsboten, von Kätzchen, Erleknospen bis Haselnusskätzchen, stiegen wir gleichmäßig auf. Und oft geseufzt, begeistert von der Umgebung, Vogelsängern, dem unaufhaltsam nahenden Frühling. Alle nahen Aussichtspunkte haben wir uns angeschaut, da jeder etwas Neues enthüllt. Schönes, Geheimnisvolles, Unerforschtem. Es ist warm, durch Sonnenstrahlen fallen Schneeflocken von den Bäumen wie spät-herbstliches Laub. Die ganze Zeit Gefühl, dass uns jemand folgt. Nein, allein haben wir mit dem schneebedeckten Untergrund gekämpft. Im unteren Teil ist nicht viel davon, mehr höher. Dass es Sonntag ist, spürt man am Tal Lärm, Gewusel auf der nahen Skipiste. Wie es sich gehört, begleitet uns Musik. Die Tal-Musik war auch ziemlich störend. Aber wir haben uns nicht stören lassen, gleichmäßig gestiegen. Vor allem genossen. Über eine der Schuttgräben ragt eine Steilheit über uns, etwas unter dem Schild für Bedančev dom. Die richtet sich ganz schön auf. Wir steigen langsam auf, Gehen ist leichter, wenn ich vorne Tritte mache. Die kosten etwas Energie, Zeit. Aber davon haben wir genug, da uns kontinuierliches Genießen wichtiger ist. Die Tage zum Genießen sind jetzt schon so lang, dass man sie voll ausnutzen sollte. Der Boden unter frisch gefallenem Schnee ist stellenweise vereist, daher sind wir vorsichtig, besonders wo größeres Abrutschrisiko am steilen Hang ist. Da die Steilheit nicht nachlässt, und über uns nur der Grat, fragen wir uns nur, wo Mojčin dom ist. Aber die Tatsache ist, dass es dazu viel mehr Gehens braucht, da es im Schnee viel zeitaufwendiger ist, natürlich auch anspruchsvoller und viel mehr Willen und Kondition erfordert als sonst. Und gleichzeitig ermüdend. Wahrscheinlich hat der schöne Samstag einige Besucher auf den Ciprnik gelockt, es war schön und breit ausgetreten. Ausblicke, weit sind sie, enthüllen viele mir unbekannte Wege. Von Špik und Kurji vrh bis Prisank. Auch in die Karawanken haben wir gelugt, und auf die andere Seite darüber, bis Dobrač und weiter sind die Blicke gegangen. Viel Bergwelt ist mir noch unbekannt, natürlich freue ich mich auf das Enthüllen und Erkennen neuer Wege. Aufs Auge schätzen wir ca.30cm Schnee, stellenweise etwas mehr. Etwas frisch Gefallenes, vielleicht 10cm. Plötzlich taucht über uns ein altes Gebäude auf, der dauerhaft geschlossene Dom auf Vitranc. Wem der jetzt dient, interessiert mich nicht. Aber schade, dass er an dieser außergewöhnlichen Lage liegt und die umliegende, vielleicht märchenhafte Idylle stört. Als echte Bergsteigerinnen schreiben wir uns in die Hüttenbuch ein. Ich kann mich nicht genug wundern, dass hier dieses Jahr nur ca.20 Leute gestanden haben. Wahrscheinlich ist die Tatsache, dass es von jedem Ausgangspunkt mindestens 2h zu Fuß ist, schuld an dem so bescheidenen Besuch. Aber es ist auch wahr, dass viele solche Bücher gar nicht unterschreiben, daher kennt niemand den realen Stand der Besuche dieses Punkts. Schade, da lohnt sich schon allein der Besuch des Mojčin dom auf Vitranc die Mühe. Immer mehr kommt es mir vor, dass die schönsten Wege, Touren jene sind, die uns richtig "erschöpfen". Bei denen das Herz richtig atmet, Muskeln richtig arbeiten. Solche erinnern wir uns nach der Tour immer gerne, da es für ihre Gipfel ganz schön Mühe braucht. Drei Mädchen haben sich am Haus Gesellschaft geleistet, eine regelmäßigere Besucherin dieser Gegenden. Und genau sie gibt uns super Infos, in welche Richtung absteigen in die Tal, um es leichter zu machen. Vorbei an der alten Einsitzerbahn sind wir gegangen, den Spuren der Besucher vom Vortag folgend. Es war so ruhig, friedlich. Und super, da wir Zeugen eines außergewöhnlichen Naturphänomens waren. Seltenem, daher umso wertvollerem. Wir hatten Gelegenheit, einen ziemlich breiten und großen Sonnenhund zu beobachten. Wundervoll, unvergessliches Erlebnis. Zwischen schneebedeckten Fichten, die interessante Formen schaffen, umgestürzten Bäumen, trockenen Sturmschäden und Lärchen sind wir gewandert, bis Vitranc und weiter. Leichte An- und Abstiege haben wir wie nichts gemeistert, nur an einer Stelle folgte ein gutes 10m Abstieg. Dann wieder Steilheit, die bis zum Gipfel nicht nachlässt. Gott sei Dank helfen uns Drahtseile, sonst ist der Großteil unter Schnee, mit ihnen ist es leichter, die Steilheit und den Weg ohne Tritte zu meistern, die ich mit meinen Winterstiefeln leicht im Schnee festtrete. Die letzten 15min sind anstrengend, schon fast ein bisschen qualvoll. Aber auch die haben wir gemeistert und uns unermesslich gefreut, den 1745m hohen Ciprnik erreicht zu haben, ansonsten phänomenalen Aussichtspunkt über Tamar. Und stolz können wir auf diese Leistung sein, da es diesmal ganz schön anstrengend war. Wegen Schnee, natürlich. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir haben das schon öfter erlebt und werden es wahrscheinlich noch öfter. Den Gipfel teilen wir noch mit zwei jungen Kerlen, Tourenski-Fahrer, eigentlich hat einer sogar ein Board dabei. Begeistert, wie wir, von den gebotenen Ausblicken. Wir haben uns nicht zu lange aufgehalten, ein paar Fotos gemacht und langsam, vorsichtig und entschlossen zurück ins Tal gekehrt. Gleichzeitig genießend das Gebotene, das sich vor uns ausbreitete. Verdiente Jause vor dem Haus hat uns neue Kräfte gegeben, daher war der Weg nach Kranjska Gora sicherer. Wir sind nicht denselben Weg zurück, abgestiegen Richtung Vitranc-Skipiste, wo in einer Woche Weltcup-Rennen ist. Leider war der Weg über Bedančev dom zum Jasna-See nicht ausgetreten, daher näherten wir uns der touristisch überfüllten Kranjska Gora entlang und auf der Skipiste - inzwischen waren die Pisten schon geschlossen. Wo uns der nötige und leckere Kaffee erwartete. So, wieder ein Gipfel auf der Liste abgehakt. Aber der wird, statt kleiner oder kürzer zu werden, nur größer oder länger. Das Leben ist schön, wenn man es lebt š
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